Ein musikalisches Feuerwerk zum Mitmachen
Die Camerata Aperta kündigt sich eine Woche im Voraus an. Unter einem «Konzerterlebnis mit Musikvermittlung für interessierte Kinder» kann ich mir nicht viel vorstellen. Die Vorfreude der Zweitklässler ist spürbar. Ein Kind versichert sich am Freitagmorgen: Dürfen wir nach der Pause wirklich in ein Konzert?
Die 14 Musikerinnen und Musiker begrüssen uns in der Aula und eröffnen für die insgesamt 140 anwesenden Schülerinnen und Schüler mit einem schwungvollen Eröffnungsstück. Danach dürfen die Kinder alle Instrumente benennen, die sie kennen. Nun erklärt uns der Cellist, wie ein Orchester aufgebaut ist. Er verrät uns, warum es möglich ist, das Stück ohne Dirigenten aufzuführen: «In jedem von uns steckt ein Dirigent. Dank unseres Konzertmeisters wissen wir genau, wann wir einsetzen müssen.»
Nach diesen Ausführungen dürfen einzelne Kinder den Dirigentenstab übernehmen und dem Orchester den Takt vorgeben. Johannes Herzog leitet die Kinder hilfreich an. Das Experiment gelingt ausgezeichnet. Stolz und berührt verlassen sie die Bühne. Der anschliessende Teil widmet sich der Funktion der Register. Spielerisch erfahren die Schülerinnen und Schüler, wie das Orchester klingt, wenn einzelne Register fehlen. Fünf Kinder dürfen dem Leiter oder der Leiterin des Registers zweimal auf die Schulter klopfen, um es zu stoppen. Auf einmaliges Klopfen setzt das Register wieder ein. Faszinierend, was wir hören: Einmal fehlt der Bass. Wir werden von hellen Tönen überflutet. Wenn die ersten Geigen aussetzen, fehlt die Leitstimme und das Stück ist kaum wiederzuerkennen.
Das folgende Spiel fesselt alle: Zwölf Kinder dürfen im Takt zur Musik im Raum umhergehen. Die witzigen Streicher machen schwierige Pausen und verlangen von den Kindern höchste Konzentration. Wer etwas zu lange läuft, wird mit Applaus an den Platz begleitet.
Zum Schluss dürfen sich alle Schülerinnen und Schüler zu ruhiger Musik im Raum bewegen. Diese Auflockerung wirkt bereichernd und erhöht die Konzentration für die letzten Musikstücke. Ein Zweitklässler dirigiert das Orchester besonders schnell, was das ganze Publikum zum Lachen bringt. Mit dem „Sword dance“ gelingt der Camerata Aperta ein beeindruckendes Abschlussfeuerwerk. Die Kinder aus meiner Klasse schnappen sich sofort einen Zettel, um aufzuschreiben, wann am Wochenende die Camerata auftreten wird. Sie schwärmen von diesem berührenden Erlebnis.
Das Konzert am folgenden Abend im Rathaus rundet mein persönliches Hörerlebnis ab. Ich staune über die Intensität der Interpretationen. Die präzisen Tempiwechsel gelingen meisterhaft auch ohne Dirigenten. John Rutters „O waly, waly“ ist mein absolutes Lieblingsstück. Mit herrlichen Scones verköstigt, englischen Liedern im Ohr, verlasse ich beglückt den Rathaussaal.
Text: Hanna Götz / Foto: Andrea Hinnen
